Die Kreisjugendfeuerwehr Fulda hat die Nase vorn, wenn es um die Zukunft der Jugendfeuerwehren und Feuerwehren im ländlichen Raum geht und möchte den Zug in die Zukunft auf keinen Fall verpassen.

Aus diesem Grund haben sich Jugendforum und Kreisjugendfeuerwehrausschuss im Rahmen des Come-in-Contract – Projekts des Deutschen Bundesjugendringes mit einer Zukunftswerkstatt ins Jahr 2025 gewagt. Die momentane Entwicklung ist bei allen Politikern in aller Munde, aber wie geht es denn wirklich weiter? Der Landkreis Fulda wir wahrscheinlich relativ gut davon kommen, so sagen es die vorliegenden Statistiken. Man möchte sich jedoch nicht ausruhen und möglichen Problemen frühzeitig entgegen wirken.

Zu einer Diskussionsveranstaltung trafen sich am 21. Oktober 2008 zahlreiche Bürgermeister und politisch Verantwortliche der Städte und Gemeinden des Landkreises Fulda sowie die Leiter der Feuerwehren mit ihren Stadt- bzw. Gemeindejugendfeuerwehrwarten und den Jugendsprechern im Deutschen Feuerwehrmuseum in Fulda.Verschiedene Faktoren mit denen die Freiwilligen Feuerwehren im Ehrenamt jeden Tag zu tun haben, wurde beleuchtet und verglichen. Die Politischen Ansichten vertraten daraufhin der 1. Kreisbeigeordnete Dr. Heiko Wingenfeld, Bürgermeister Marcus Schaft aus Hofbieber sowie die Rathauschefin aus Großenlüder Silvia Hillenbrand.
Das Projekt selbst wurde durch den stellvertretenden Kreisjugendfeuerwehrwart Michael Knoth und die Kreisjugendsprecherinnen Sophia Otterbein und Nadine Hahner begleitet.

Die „Zeit“ ist wertvoll!

Im ersten Abschnitt verfolgte man den Faktor „Zeit“. Jeder Mensch geht seinen Verpflichtungen nach. Termine stehen fest oder werden durch Mitmenschen festgelegt. Ein Ehrenamt bedeutet Mehraufwand und kostbare Freizeit wird in Anspruch genommen. Um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben sich ehrenamtlich zu engagieren sollte ihnen eine Zeitersparnis eingeräumt werden. Die Arbeitsgruppe der Kreisjugendfeuerwehr kam zum Ergebnis, das öffentliche Nahverkehrsnetz auszubauen und attraktiver zu gestalten. Das Ehrenamt in den Feuerwehren sollte in Schulen, Ausbildungsplätzen und Betrieben besser gefördert werden.

In seiner politischen Stellungnahme schilderte der 1. Kreisbeigeordnete Dr. Heiko Wingenfeld, dass ganz wohl bekannt sei, dass Jugendliche durch die Beförderung zu Schulen, Ausbildungsplatz und zu Hause viel wertvolle Freizeit geopfert wird. Dennoch sieht er auch für die Zukunft wenige Aussichten, diese Zeiten einzusparen. Der Landkreis Fulda investiert bereits jährlich viel Geld für den öffentlichen Nahverkehr. Man möchte sich auch hin und wieder Verbesserungen vorstellen, die aber weitere Kosten verursachen würden. Der Landkreis wird auf alle Fälle bestrebt sein, so Wingenfeld, den Verkehr und die Mobilität der Bürger so effektiv wie möglich zu gestalten.

Ehrenamt Feuerwehr ist wichtig!

Zum Punkt Ehrenamt Feuerwehr und Jugendfeuerwehr meinte Dr. Wingenfeld, dass man hier unterstützen kann so dass Feuerwehr in den Schulen kein Thema mehr sei.
Es gibt dort Ersthelfer, Verkehrslotsen und so könnte es auch Brandschutzhelfer geben.
Ein nicht einfaches Thema sei die Freistellung von Feuerwehrleuten vom Arbeitsplatz zu Fortbildungslehrgängen und Einsätzen. Hier kann man nur an die Arbeitgeber appellieren, ihre Arbeitnehmer für das Ehrenamt freizustellen. Allerdings räumte der Vizelandrat ein, dass Feuerwehrfrauen und –männer eine wertvolle und qualifizierte Ausbildung haben und jeder Arbeitnehmer bestrebt sein sollte eine solche Frau bzw. solchen Mann in seinem Betrieb zu haben. Hierbei sollten Kommunen und Unternehmen künftig an einem Strang ziehen um die Tagesalarmbereitschaft ihrer Feuerwehr sicherzustellen.

„Danke“ bei der Motivation – ein wichtiges Argument!

Ein weiteres Stichwort war bei der Veranstaltung das Stichwort „äußere Motivation“.
Das Ehrenamt Feuerwehr soll Spaß machen und ganz besonders anderen Menschen in Notlagen Hilfe zu leisten. Der Lohn hierfür ist ab und zu ein kleines Wort des Dankes. Manchmal jedoch muss man auf dieses kleine „Danke“ für eine ehrenamtliche belastende Tätigkeit auch lange warten. Weiteres Problem könne die fehlende oder nicht mehr zeitgemäße Schutzausrüstung im Feuerwehrdienst sein. Bei Fahrten oder Ausflügen mit der Jugendfeuerwehr in einer größeren Gruppe ist es sehr schwer einzurichten, alle Personen zu transportieren. Es ist auch nicht mehr selbstverständlich, dass kommunale Vertreter die Jugendfeuerwehr oder Feuerwehr bei ihrer Ausbildung oder Schauübung besucht. Künftig könnte durch den demographischen Wandel die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit durch die Feuerwehr zu kurz kommen. Die Kommunalabteilung Feuerwehr muss wegen fehlender finanziellen Mitteln auf wichtige Ausrüstungsgegenstände verzichten und wird nur noch als Verein angesehen.
Die Jugendsprecherinnen Sophia Otterbein und Nadine Hahner hatten im Projektteam erarbeitet, dass die Übernahme von Kosten für eine angemessene Schutzausrüstung ohne Kompromisse von der Kommune übernommen werden müssen.
Auch das Auftragen einer alten Ausrüstung durch junge oder neue Einsatzkräfte ist nicht motivierend. Jugendfeuerwehren und Feuerwehrvereine unternehmen regelmäßige Fahrten und Freizeitaktivitäten. Diese sollten besonders unterstützt werden. Die Übernahme von Eintrittspreisen, die Bereitstellung eines gemeindlichen Fahrzeugs oder Übernahme von Fahrtkosten wären hierbei denkbar. Jugendfeuerwehrwarte und Jugendgruppenleiter, die eine spezielle Ausbildung absolviert haben sollten durch Vergünstigungen mit der so genannten Jugendleitercard belohnt werden.

Der Rathauschef aus Hofbieber, Marcus Schafft, beschrieb in seiner Darstellung die gegenseitige Rücksichtnahme von Feuerwehr und politischen Mandatsträgern, denn beide seien ehrenamtlich tätig. Dennoch sollte man darauf zugehen, dass alle, die eine Leistung erbringen wahrgenommen werden. Ein Come-in-Contract – Vertrag sei hierbei eine gute Gelegenheit für beide Seiten ein Interessenaustausch durchzuführen. Es sei wichtig, dass eine Feuerwehr durch angemessene Ausrüstungsgegenstände eigenverantwortlich handeln darf, denn eine Gemeinde lebt von aktiven und freiwilligen Helfern in der Feuerwehr. Die Akzeptanz bei den Bürgern hat hierbei ebenfalls eine große Bedeutung.

Öffentlichkeitsarbeit – die Bürger über Feuerwehr aufklären!

Der letzte Punkt war die „Wahrnehmung des Umfeldes“. Bisher ist eine Feuerwehr an jedem Ort stationiert und jederzeit bereit. Der Bürger nimmt die Feuerwehr jedoch vielerorts nur als ein Verein dar. Die Ortsbewohner, die sich nicht weiter mit der Feuerwehr beschäftigen, haben einer regelrechten Unkenntnis über ihre Feuerwehr. Die Jugendfeuerwehren und Einsatzabteilungen machen zwar sehr oft Werbung für ihre Tätigkeit, aber dies ist sehr Kostenintensiv, zum Beispiel beim Internet, Plakaterstellung, usw. Deutschland ist ein Zuwanderungsland und die Gefahrenabwehr ist in der ganzen Welt anders organisiert. Das Bild Feuerwehr könnte künftig etwas verschwinden oder nur als Berufsgruppe angesehen werden.
„Tue gutes und sprich darüber!“

Die Projektgruppe der Kreisjugendfeuerwehr Fulda habe hierzu die Erkenntnis gewonnen, dass man über ihre Arbeit in den Medien berichten soll. Einen Pressesprecher sollte es in jeder Feuerwehr grundsätzlich geben und die Gemeindeverwaltungen könnten unterstützend mitwirken.

Plakatwände könnten besser genutzt und die Berichterstattung in Mitteilungsblättern intensiviert werden. Im Rahmen der Integration von Migranten könnte man ebenfalls für die Freiwillige Feuerwehr werben.

Die Bürgermeisterin Silvia Hillenbrand aus Großenlüder beschrieb die Darstellung der Feuerwehr mit eigenen Erfahrungen.

Im Einsatz sieht jeder die Feuerwehr, aber ihre Arbeit wird nicht wahrgenommen!

Große Firmen werben mit der Feuerwehr für Verlässlichkeit. Eine Patenschaft bei der Übergabe von Feuerwehrhäusern oder Fahrzeugen könnte durch Bürger übernommen werden. Man sollte nicht warten bis die Leute zu uns kommen, sondern wir sollten auf die Menschen zu gehen! Der Dreiklang von Politik, Bürgern und Feuerwehr muss künftig mehr vereint werden und aktiv einbezogen werden. Man sollte versuchen neue Wege zu gehen und neues zu versuchen, denn nur so macht man stets auf sich aufmerksam.
Nach einer abschließenden Diskussionsrunde zeigten sich die Organisatoren der Kreisjugendfeuerwehr Fulda über den Verlauf der Veranstaltung sehr zu frieden. In seinem Abschlussresümee kündigte Kreisjugendfeuerwehrwart Dirk Wächtersbach an, dass das Thema demographischer Wandel weiterverfolgt wird. Abschließend unterzeichneten der Landkreis Fulda, die Gemeinden Hofbieber und Großenlüder mit der Kreisjugendfeuerwehr Fulda einen Projektvertrag, der dazu dienen soll, sich für eine positive und regionale Entwicklung sowie der Förderung des Ehrenamtes im Sinne der Jugendlichen im demographischen Wandel einzusetzen. Die anderen Städte und Gemeinden im Landkreis Fulda haben ebenfalls die Möglichkeit diesen Come-in-Contract Vertrag mit der Kreisjugendfeuerwehr zu schließen.

 

 

 

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